paul m waschkau: Das Fest der Schakale, Hetz-Traum-Drama
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Das
Fest der Schakale # Hetz.Traum.Drama in 17 Szenen Monologische Version für 1 F oder mehrere Fs sowie 1-2 Ms. Pathos Transport BERLIN 1997/2007; Broschur
HF ½_Din4 36 S. Die Frau in einem Meer abgeschlagener
Köpfe. Die Frau in einem Bett toter Körper. Die Frau in einer Zelle. In einem
Kerker. Gefangene eines Medea-Traums. Gefangene eines Wunsches. Gefangene
einer Ordnung. Umgeben von allen erdenklichen Zeiten. Dazwischen Fieberträume.
Schwindelinseln. Die Folter des Alltags. Der aus der Ferne herbeigesehnte
Geliebte. Sie hängt ihre Kinder zum Trocknen auf, an einem Ort, an dem man
Kinder schlachtet. Die Schändung der Cenci im Schatten des heiligen
Stuhles. Die Folter der Flammen in einem abgefackelten Haus. Die Befragung
durch staatliche Sicherheitsorgane. Tage als weibliche Geisel. Ich bin von der abstoßenden Süßlichkeit
der Gase. Stahlgewitter zärtlicher Munition. Präludie
für einen höllischen Morgen. |
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TEXTprobe aus: Das Fest der Schakale
0. Auftakt mit AntiStriptease
JUNGE___ALTE___NACKTE___FRAU
Ich
bin Medea Medusa Messalina. Zuweilen Jeanne d’Arc, die Meinhof oder
Penthesilea. Große Töterinnen der Geschichte. Die die Männer fürchten. Die
die Dichter lieben. Eine dieser im Abklatschverfahren gewonnenen Frauen bin
ich immer. Ich, die Sie schon kennen, verbiete mich schleichend ihren
Blicken. Ich bin totes Fleisch Material, nur in der Akte lebendig. In den
Daten Arsenalen der Staatssicherheit weiterhin ein feurig züngelndes Lustrisiko.
Eine Gefahrenstruktur. Ein Sicherheitshomunkulus. Ich war die Geliebte des Kanzlers.
Die Stellungen der Lust, die ich repräsentierte, waren allesamt gefälscht.
Was mir 5 hundert Jahre Hochsicherheitstrakt einbrachte. 23 Stunden
täglich in der Skinnerschen Zelle. 60 Minuten Rundgang zwischen geometrischem
Graubeton. Über Jahre kein Grün. Keine Blumen. Kein Schnee. Aber dies ist
kein Mitleidsgedusel. Niemanden interessiert das mehr. Alle meine
Waffen sind stumpf. Sogar mein Körper ist stumpf. Er taugt nur noch für eine
grandiose Vernichtung. Wenn ich ihn selbst nicht vernichte, vernichtet ihn
Zeit. Wie sterblich unsterblich ich bin, ist zuletzt eine Frage der Strömung.
Ein unregelmäßiger Rhythmus im Auf und Ab der Gezeiten. Friedliche Ebben.
Fluten des Krieges. Und wir sind umgeben von allen erdenklichen Zeiten. Sie
schäumen ans Ufer, sie schäumen ins Meer. Im Schaum der Geschichte schäumen
auch wir. |
8. Das Fest Freunde und Freundinnen! Erheben wir
uns für eine Schweigeminute in Gedenken an all die zu Tode gefolterten kurzen
Glücksmomente unseres Lebens, die verpatzten Gelegenheiten, unsere zu
Grabe getragenen Visionen Träume Wünsche. Wenn ich
eines Tages verschwunden sein werde. Wenn mein Körper eines Tages in Flammen
stehen wird, ich fürchte den Kältetod.
Oder, wenn mein Gehirn aufgrund eines gezielten Schusses in die
Rachenhöhle, von unten versteht sich, mit einer Smith & Wesson, 38 mm,
an die Wand gespritzt ist, Mord oder Selbstmord, was ändert das, dann
erinnert euch daran, daß wir alle mit gefälschten Karten spielen. Und sehen
werdet ihr wie belebend die Splitter meines Hirns sind. Als Krähe werde ich
auf eurer Schulter sitzen und euch aus dem Labyrinth des Fiebers herausführen.
Ich werde euch auf ein Fest führen, auf dem auch Tiere zu Gast sein werden.
Giraffen, Kamele, Schakale. Auch die Küchenschabe wollen wir begrüßen. Auf diesem
Fest, auf dem Fest der Schakale, werde ich euch empfangen. An den Quellen
des Trostes. An den Ufern der Stille. Fern allen Eises und fern allen
Orgien der Rache. Dort werden wir nicht die Ästhetik des Verschwindens diskutieren.
Wir werden nicht fragen, wie du dein Geld verdienst. Wir werden nicht über
das Verhältnis zwischen Innen und Außenwelt reden. Wir werden dagegen mit
allen Anwesenden tanzen. |
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